Erfahrungen fürs Leben

– Einen Zwei-Fach-Bachelor in Mathe und Sport in der Hand, aber vom wirklichen Leben noch nicht so viel mitbekommen –

So erging es mir, bevor ich meine sieben Sachen gepackt, eine Woche vor Abreise die Bachelorarbeit eingereicht und mich in den Flieger nach Managua gesetzt habe. Viel Zeit, darüber nachzudenken, was mich dort erwartet, wie ich mich verständige und wie ich in einem anderen Land auf einem anderen Kontinent zurechtkomme, hatte ich nicht. Ich wusste nur, dass ich willens war, mich allen möglicherweise damit verbundenen Schwierigkeiten zu stellen, um Kindern zu helfen, mit ihnen zu spielen, mit ihnen und von ihnen zu lernen und in einem Projekt zu arbeiten, in dem ich viele schöne Erfahrungen sammeln kann. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber nur von all dem gelesen und kannte einige Eckdaten zum Projekt Sonflora.

In Nicaragua angekommen, konnte ich meine eher geringen Sprachkenntnisse in einer Woche Intensiv-Unterricht verbessern. Ich war mir nicht sicher, ob ich so überleben konnte. Gracias a dios, dass ich so gut im Team Sonflora aufgenommen wurde und mir bei Schwierigkeiten mit den Kindern immer eine helfende Hand zur Verfügung stand. Auch die Kinder selbst waren sehr offen und herzlich, gerade die aus der etwas jüngeren Gruppe im Projekt, die viel Verständnis für meine Sprachprobleme aufbrachten, mir häufiger auf sehr anschauliche Weise erklären konnten, was z.B. nun ein „pájaro“ sei: „Das ist ein Tier mit einem Schnabel und Flügel im Himmel…“. Mir hat es viel Freude bereitet, auf eine solch kommunikative Weise zu lernen und gleichzeitig den Kindern Zeit zum Zuhören zu schenken. Und selbst für den Fall, dass verbale Kommunikation mal gerade nicht möglich war, konnte ich bei einer Partie Fußball im „patio“ viele schöne Stunden mit den Kindern verbringen. Nach einiger Zeit fiel die Verständigung dann leichter und durch die kontinuierliche Einbindung in das Projekt und die Übernahme von mehr Verantwortung, wie beispielsweise die Planung und Durchführung der Hausgaben, fühlte ich mich als ein fester Bestandteil des Projekts. Folgen sollten noch mehrere Ausflüge ins Schwimmbad und zum Vulkan Cerro Negro. Außerdem hatte ich die Ehre, an Weihnachten in die Rolle des Santas zu schlüpfen.

Was nimmt man nun mit aus einer solchen Zeit im Projekt Sonflora in Nicaragua? Ich glaube, das ist für jeden Menschen so unterschiedlich, wie es jedes einzelne Kind im Projekt ist. Ich für meinen Teil stieg also wieder in den Flieger, diesmal in Managua, mit einem Haufen neuer Freunde, einer Begegnung mit einer liebenswerten Kultur, schönen Erfahrungen, einer neu gewonnen Sprache und einem Gefühl, wenn es denn auch nur ein kleiner Beitrag war, etwas Gutes und Schönes getan zu haben.

Nun ist es schon über ein Jahr her, dass ich nicht mehr in León wohne und vor Ort im Projekt arbeite. Aber wer sagt, dass damit das Abenteuer Sonflora aufhört … Seit August 2018 ist Yor, ein ehemaliges Mädchen des Projekts, welche mittlerweile zur jungen Frau herangewachsen ist, in Münster, meiner Studienstadt und Heimat seit 5 Jahren. Yor absolviert dort einen Freiwilligendienst in einem Kindergarten. Hier konnte ich sie unterstützen, als sie noch mit einigen Sprachhürden zu kämpfen hatte und die nervigen Behördengänge anstanden. Sehr gerne helfe ich mittlerweile auch bei der Koordination der neuen Freiwilligen, die auch den Wunsch haben, so tolle Erfahrungen zu machen, wie ich sie gemacht habe. Für mich jedenfalls, war es eine sehr wichtige, die ich nie missen möchte!

 

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