Magda und Lena berichten (Dezember 2014)

„Weißt du noch damals, als wir gemeinsam in Nicaragua waren und dort eine andere Welt kennengelernt haben, da hat es uns auf einmal nichts mehr ausgemacht den ganzen Tag zu schwitzen und unsere Kleidung mit der Hand waschen zu müssen. Kannst du dich noch an den Tag erinnern, wo du zum ersten Mal ins Projekt gekommen bist und die Kinder dich empfangen haben, als würden sie dich schon ewig kennen? Hast du auch noch immer diese Bilder im Kopf von kleinen Mädchen, die stundenlang Seil springen ohne sich zu langweilen und dich beim Memory- Spielen besiegen? Echt? Ja, mir geht´s auch so.“


So in etwa könnte eine Unterhaltung zwischen Carina und mir in 20 Jahren ausschauen, wenn wir über diesen Sommer reden. Wir durften gemeinsam 2 Monate bei Sonflora mithelfen und konnten so einen Einblick in eine völlig neue Welt gewinnen. Unser Gastvater hat mal gemeint, dass wir doch alle dieselben Sterne sehen und dieselbe Luft atmen, dennoch ist das Leben in Nicaragua schwer mit jenem in Österreich vergleichbar.

Man könnte natürlich sagen, dass auch hier die Leute aufstehen um zur Arbeit zu fahren, die Kinder in die Schule gehen, Feste gefeiert werden und die Sonne jeden Tag auf- und untergeht. Aber ganz so einfach ist es nicht.
Die Arbeit vieler Menschen ist hart und die Löhne sind mehr als bescheiden. Während einige reiche Menschen das Land regieren, können viele andere sich nicht einmal genug zu essen kaufen. Die Schulbildung ist schlecht bis gar nicht vorhanden, „Sitzen bleiben“ gibt es nicht, was dazu führt, dass viele unserer Kinder im Projekt auch in der 2. oder 3. Klasse noch nicht lesen oder schreiben können. Wer eine öffentliche Schule besucht, hat nur wenig Chance auf gute Bildung und Privatschulen sind für die meisten nicht leistbar. Selbst die Sonne geht hier früher auf und bereits um 18 Uhr abends wieder unter.

All diese Unterschiede durften wir beide miterleben, wobei man keineswegs davon sprechen kann, dass die Menschen in diesem Land unglücklicher wären als wir Österreicher. Sie sind unglaublich hilfsbereit, zeigen dir den Weg, allein schon wenn du etwas verwirrt auf der Straße stehst, lachen und scherzen. Es hat uns schlichtweg beeindruckt, dass die Bevölkerung hier oft so viel besser gelaunt ist wie wir Europäer und dabei doch ein viel schwereres Leben hat.

Gerne denken wir noch an den Alltag im Projekt zurück, den wir dort 9 Wochen gelebt haben. Auch wenn man manchmal lieber ausschlafen wollte, lohnte sich jeder Tag den wir gemeinsam mit den Kindern verbracht haben. Morgens trödelten die Kinder nach und nach ein, einige bekamen Frühstück und dann ging’s auch gleich los mit „tareas y tareas extras“, wobei sie bei diesen Worten oft gerne weghörten. Trotz immer wiederkehrendem „no quiero, no puedo…“ hatten sie auch Spaß bei den Aufgaben und besonders schnell waren sie fertig, wenn sie wussten, dass danach Fußballspielen angesagt war. Unter der Woche gab es eigentlich einen strikten Tagesablauf, doch der Samstag war immer ein besonderer Tag. Die Kinder kamen schon am Vormittag ins Projekt, dann wurde gespielt, gespielt – gemeinsam gekocht – und gespielt. Fußball, „Bigote“, Memory, UNO… – die Kinder hatten hier eine unglaubliche Ausdauer. Als es dann 4 Uhr wurde und es Zeit war zu gehen, versteckten sich einige immer im letzten Eck um ja noch die letzte Runde „Bigote“ fertigzuspielen .

Angekommen sind wir Anfang Juli mit unseren 20kg schweren Koffern und heimgefahren dann Anfang September mit nahezu gleichschwerem Gepäck. Denn das, was wir mitgenommen haben wiegt nichts, man kann es weder kaufen noch einpacken. Es sind viele unvergessliche Momente mit den Kindern, den Mitarbeitern im Projekt und unbeschreibliche Erfahrungen, die wir hier sammeln durften. Es war ein kurzes hineinschnuppern in diese andere Welt, welches die eigene (wahrscheinlich für immer) verändert hat. Und vielleicht kommen wir eines Tages zurück, wenn nicht, werden wir wohl noch oft darüber sprechen: „Weißt du noch damals, als wir gemeinsam in Nicaragua waren…“

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