Nicaragua

Nicaragua ist eines der ärmsten Länder Mittelamerikas! In vielen Regionen des Landes ist die soziale wie ökonomische Realität nicht im Entferntesten mit dem zu vergleichen, was in so genannten “westlichen Industrienationen” als “allgemeiner bzw. grundlegender Standard” angesehen wird. So lebt ein Großteil der Bevölkerung weit unter der Armutsgrenze und muss mit weniger als 2 US$ am Tag auskommen.

Das gravierendste Problem von zentralamerikanischen Ländern wie Nicaragua ist eine nachweisliche Korruption in nahezu allen Gesetz gebenden und ausführenden Institutionen. Bildung ist daher eine Ressource, die leider nicht ganz oben auf der Agenda der verantwortlichen Regierungen steht! Aufgrund jahrelanger Versäumnisse zeigt sich das Bildungssystem Nicaraguas in vielen Bereichen erschreckend unterentwickelt. Die Bedingungen an den öffentlichen Schulen verhindern, dass die Kinder – die als Zukunft des Landes der Schlüssel zu einem nachhaltigen sozialen wie kulturellen Wandel sind – zu kreativen, selbstbestimmten und reflektiert denkenden Individuen erzogen werden.
Oftmals scheitert der Zugang zu den wenigen Bildungsressourcen bereits an der Finanzierung der notwendigen Lernmaterialien oder obligatorischen Schuluniformen, die durch die zumeist sehr armen Familien getragen werden müssen. Die gesamte Schulausrüstung kostet in etwa 60 US$, was für viele Eltern mehr ist als ein gesamter Monatslohn.

Durch die manifeste Armut werden die Kinder früh von ihren Eltern zur Arbeit hinzugezogen. Sie arbeiten beispielsweise nach der Schule und verkaufen Souvenirs an Touristen, helfen in den Straßenverkaufsständen der Eltern, arbeiten in den Salzwerken der Pazifikküste oder sammeln in den Mangrovensümpfen Nicaraguas Muscheln, um sie später an Touristen verkaufen zu können. Manche Eltern begrüßen es daher, dass ihre Kinder gar nicht erst eine Schule besuchen oder verfrüht, z.B. nach der dritten Klasse, ihre Schulausbildung abbrechen, um als vollständige Arbeitskräfte zum Unterhalt der Familie beitragen zu können. So haben manche nicaragüensische Kinder niemals in ihrem Leben eine Schule besucht und werden dies auch weiterhin nicht können, sofern nicht ein grundsätzlicher Wandel im Bildungs- und Erziehungssystem eingeleitet wird.

Dadurch dass die Kinder armer Familien früh zum Lebensunterhalt ihrer Eltern und Geschwister beitragen müssen, fehlt ihnen die “Zeit zum Kind sein”. Hinzu kommt, dass physische und psychische Gewalt, insbesondere in den Familien ländlicher Regionen, sich als bevorzugte und verbreitete Erziehungsmethoden über Jahrzehnte etabliert haben. Der gesellschaftlich manifestierte “Machismo” hat dabei oftmals zur Folge, dass sich die Väter nach der Geburt ihrer Kinder der Verantwortung entziehen und die Mütter mit der Erziehung der Kinder allein lassen. Die somit häufig wechselnden männlichen Bezugspersonen sowie das Selbstverständnis mancher Männer, mit minderjährigen Frauen zu verkehren (ebenso ein Aspekt der “Machismo”-Kultur), begünstigen das Auftreten sexueller Gewalt im familiären Umfeld einiger Kinder. Eine Beobachtung, die sich in der Arbeit mit den Kindern unseres Projektes tragischerweise in zahlreichen Fällen bestätigt hat.

Eine ebenso erschreckende Tatsache ist, dass sich in Nicaragua seit einiger Zeit illegal organisierter Sextourismus etablieren konnte, durch den in erster Linie minderjährige Jungen und Mädchen aus armen Familien betroffen sind.

Mehr Bilder:  http://studio.stupeflix.com/v/73utP6dwAr/?autoplay=1

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